Menü
Stippvisite beim Biolandhof Hauberg in Dithmarschen

Stippvisite beim Biolandhof Hauberg in Dithmarschen

Rotkohl – eine Sache für Weihnachten!
Es ist einer der letzten Tage im Oktober. Nach einer entspannten Fahrt über die A23 Richtung Norden erreichen wir
im Morgengrauen Dithmarschen. Langsam verschwinden die Nebelschwaden und wir nähern uns dem kleinen Ort Schlichting, nahe Friedrichstadt, direkt an der Eidermündung. Unser Ziel, der Biolandhof Hauberg, liegt in einem Wäldchen, etwas abseits der Hauptstraße, völlig verlassen vor uns. Der Hofsenior schickt uns weiter, einen schlängeligen Weg durch die Felder, schließlich sehen wir zwei Traktoren und vier Personen die mit der Kohlernte beschäftigt sind.

Als wir unseren Wagen am Feldrand parken und mit Gummistiefeln das Kohlfeld betreten, brechen die ersten Sonnenstrahlen durch, in der Ferne verlassen Tausende von Graugänsen ihre nächtlichen Schlafplätze. Das sind fast die einzigen Geräusche, die wir hören. Ansonsten knirschen nur die Kohlblätter bei jedem Schritt unter unseren
Stiefeln. Nach 5 Minuten erreichen wir Inga und David Westphal. Die beiden schneiden Rotkohl und werfen die geernteten Köpfe mit Schwung in die von einem selbstfahrenden Traktor gezogenen Kisten. Sie müssen bis zum nächsten Tag noch zehn Tonnen ernten und so können wir uns nur während der Arbeit unterhalten.

Seit 27 Jahren macht Westphal in Kohl. Seit einiger Zeit produziert er überwiegend für die Industrie, also für Konserve und Dose. Das ist einfacher, denn die nehmen seine Ware verlässlich ab. Der Frischmarkt ist nicht konstant genug.
Das Verbraucherverhalten hat sich geändert, wer isst heute noch frischen Rotkohl? Die Köpfe für die Industrie müssen mindestens 1,5 Kilo schwer sein, alles andere wird stehen gelassen und später untergepflügt.

Die Westphals ernten ca. 65 Tonnen Kohl pro Hektar. Ein konventioneller Landwirt kann mit der doppelten Ernte rechnen und hat seltener einen Totalausfall. Trotzdem ist Westphal von sich und seinen Anbaumethoden überzeugt.
Es ist schwere Arbeit, ein echt hartes Brot, aber wenn er über sein „ehrliches“ Kohlfeld blickt, dann sieht man den Stolz in seinen Augen, dass er es hinbekommt, auch ohne Pestizide und künstliche Dünger ordentliche Kohlköppe groß zu machen. Wir testen den Geschmack an Ort und Stelle und beißen in einen frisch geschnittenen Prachtkohl. Es kracht und knirscht und rotes Kohlwasser läuft uns aus den Mundwinkeln. Dieser Kohl schmeckt! Ein Dithmarscher Hochgenuss!

Dann ist auch schon das Ende der Redezeit erreicht. Die Westphals müssen weiterarbeiten und haben jetzt genug geschnackt. Sie erzählen uns noch vom Nachbarhof, dessen Besitzer neben der Landwirtschaft als Eiderfischer unterwegs ist und manchmal echten Eiderwildlachs verkauft, wenn nicht gerade der Seehund in der Gegend räubert. Das lassen wir uns nicht entgehen und mit zwei frischen Prachtlachsen, drei dicken Aalen, einem Kofferraum voll selbstgeschnittenem Rotkohl und fünf Zentimetern Dithmarscher Kleiboden unter den Stiefeln verlassen wir diesen charakteristischen Landstrich. Wir werden an Weihnachten respektvoll eine Extraportion Rotkohl verputzen!